Wissenschaftliches Kolloquium und Ausstellung im Alten Rathaus Rudolstadts


Am Freitag, dem 15. April 2011 fand im Alten Rathaus Rudolstadts ein wissenschaftliches Kolloquium mit anschließender Ausstellungseröffnung statt.
Das Thema "Wohlgelebt! Wohlgestorben!" mag besonders für Außenstehende zunächst etwas eigenartig klingen, schieben wir doch alle verständlicherweise alles, was mit Sterben und Tod zu tun hat, soweit wie möglich von uns weg. Aber die meisten niedergeschriebenen Biografien werden erst nach dem Leben verfaßt. Somit wird eine besondere Art der Erinnerung für die Nachwelt bewahrt.
 
Die Forschungsstelle für Personalschriften an der Philipps-Universität Marburg, einer Arbeitsstätte der Akademie der Wissenschaften und der Literatur zu Mainz befaßt sich im Rahmen eines Forschungsprojekts mit den über 4000 in der Historischen Bibliothek Rudolstadt erhaltenen Leichenpredigten aus der Zeit vom 16. bis 18. Jahrhundert.
Zu Personalschriften gehören u.a. Geburtsurkunden, Trauerreden usw.
Aus solchen historischen Dokumenten lassen sich erstaunlich viele Rückschlüsse auf die Lebensweise früherer Zeiten ziehen. Auch über Krankheitsverläufe und deren Behandlung in früheren Zeiten läßt sich oft nur über das Studium solcher Personalschriften Konkretes erfahren. Alte Berufsbezeichnungen und Ortsnamen können daraus gelesen werden. Es finden sich auch spezielle Kompositionen und Gedichte, um die Vorfahren für alle Zeit zu ehren. Sogar alte Schreibweisen von Noten lassen sich auf diesem Wege analysieren.
Funeralia-Sammlungen, wie die aus der Rudolstädter Historischen Bibliothek sind also für zahlreiche Wissenschaftszweige eine wahre Fundgrube.
 
Die zugehörige Ausstellung ist noch bis Mitte Juli 2011 während der Öffnungszeiten der Historischen Bibliothek im Saal des Alten Rathauses in der Stiftsgasse 2 in Rudolstadt zu sehen.
 
Daß die über 80000 historischen Bände des Buchbestandes der Historischen Bibliothek Rudolstadt zu verschiedensten Themen, u.a. aus und zum Fürstentum Schwarzburg-Rudolstadt und vielen anderen Wissensgebieten auch die nächsten Jahrhunderte erhalten bleiben, versprach der Bürgermeister Rudolstadts am Freitag während seiner Eröffnungsansprache des bundesweiten ersten Kolloquiums dieser Art.
 

Stiftsgasse mit Altem Rathaus



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